Vergütung in der Venture Capital Branche

Vergütung in der Venture Capital Branche

Dieses Interview über Vergütung und HR Trends in der Venture Capital Branche mit Dr. Thomas Heiden ist in der Ausgabe 11/2015 des Venture Capital Magazins erschienen. Ein Abonnement kann bei Interesse hier abgeschlossen werden.

Interview mit Dr. Thomas Heiden, heiden associates

VC Magazin: Welche Positionen werden aktuell innerhalb von Beteiligungskapitalgesellschaften am häufigsten gesucht?

Heiden: Innerhalb von Beteiligungsgesellschaften ist die Tendenz festzustellen, dass Teams ganz klar von oben nach unten aufge­baut werden. Geschäftsführerpositionen werden meist über Netz­werke besetzt, das Team später sukzessive top down ergänzt. Wir stellen fest, dass momentan einige Investmentmanager und Analysten gesucht werden, aber kaum Geschäftsführer. Diejeni­gen, die heute auf Geschäftsführer-­Level rangieren, sind meist um die 45 bis 50 Jahre alt, haben Spaß am Job und noch 15 Jahre vor sich. Die zweite Führungsebene ist Ende 30 und stößt hier an eine Lehmschicht und sieht kaum Entwicklungsperspektiven.

» Aktuell von uns ausgeschriebene Vakanzen ansehen

VC Magazin: Sehen Sie viele neue Private Equity­ und Venture Capital­-Adressen – z.B. aus dem Corporate-­Umfeld, aber auch neu gebildete Teams – auf dem Markt?

Heiden: Das ist begrenzt. Wir beobachten, dass viele angelsächsi­sche Adressen nach Deutschland und dort in erster Linie nach Berlin kommen, aber die bringen gerne ihr eigenes Personal mit. Es gibt einige kleine neue Teams, aber die bilden sich selbst und sind nicht offensiv auf der Suche. Corporates rekrutieren die Stellen in ihren Venture Capital­-Armen gerne aus der zweiten Reihe von bestehenden Fonds oder aus dem eigenen Konzern.

VC Magazin: Sie haben gerade eine Geschäftsführerstelle für eine Venture Capital­-Gesellschaft ausgeschrieben und erfolgreich besetzt. Wie war die Resonanz, wie die Bandbreite der Bewerber?

Heiden: Die Resonanz war überwältigend. Wir hatten über 350 Bewerber, die aus zehn Anzeigen und über 100 Direktanspra­chen resultierten. 80 Personen kamen in die engere Auswahl. Die Kriterien waren Internationalität, Erfahrung im Venture Capital­-Bereich und Fit zum Managementteam.

Anschließend habe ich 40 Gespräche persönlich und im nächsten Schritt mit 20 Kandidaten ein Vorgespräch gemeinsam mit dem Kunden geführt.

Final haben wir nach vier Wochen die Top­-acht-­Kan­didaten vor den Gesellschaftern an zwei Tagen präsentiert. Das war ein Top-­Speed­-Projekt.

» Mehr zum Thema Executive Search

VC Magazin: Welche Personenkreise haben sich beworben, wie war die Bandbreite?

Heiden: Vom Top-­Level­-Bewerber ohne Expertise im Beteiligungs­geschäft über ehemalige Geschäftsführer von Venture Capital­ oder Private Equity-­Fonds bis hin zu Leuten aus der zweiten Führungsebene in Beteiligungsgesellschaften, denen die Perspek­tive im eigenen Haus fehlte.

» Auch interessant: Bewerbung beim Headhunter – Tipps für Kandidaten

Vergütung und Incentivierungsmechanismen

VC Magazin: Wie hoch ist die Vergütung für Investment­manager, Principals etc. derzeit und welche Incentivierungs­mechanismen sind derzeit üblich?

Heiden: Lassen Sie mich mit dem zweiten Teil der Frage anfangen: Carry, Carry, Carry. Das Verhältnis von Fixgehalt zur variablen Komponente ist bei der Vergütunt ein Hygienefaktor, der sicherlich stimmen muss, aber der Carried Interest ist für die meisten Bewerber der grö­ßere Motivationstreiber. Wenn die Performance des Fonds stimmt, kann hieraus die wesentliche Cash-­Komponente bei der Vergütung resultie­ren.

Bei der Vergütung muss man klar zwischen öffentlichen bzw. halböffentlichen Fonds und angloamerikanisch geprägten Fonds unterscheiden. Bei den Analysten und Junior­-Investment­managern unterscheiden sich die Gehälter noch kaum. Die große Spreizung zwischen halbstaatlichen und privat finanzierten Fonds findet statt, wenn es in Richtung Principal oder Partner geht. Hier stellen wir fest, dass die Fixgehälter signifikant differieren und die Carry-­Töpfe relevanter werden.

„Der Carried Interest ist für die meisten Bewerber der grö­ßere Motivationstreiber.“

VC Magazin: Was heißt das in Zahlen?

Heiden: In der Vergütung liegen Analysten bei ca. 45.000 EUR bis 60.000 EUR, das sind Leute mit Bachelor­ oder Master-Abschluss, die ein oder zwei Praktika in der Start­up­-Szene absolviert haben. Invest­mentmanager oder Associates rangieren bei 70.000 EUR bis 80.000 EUR, Investmentdirektoren zwischen 90.000 EUR und 150.000 EUR, Principals nochmals ein Stück darüber zzgl. Carried Interest und variabler Vergütung.

Im Geschäftsfüh­rungsbereich deutscher Venture Capital­ Fonds sprechen wir über 200.000 EUR bis 250.000 EUR plus Gewinnbeteiligung, bei angel­sächsischen Adressen sind Summen von 300.000 EUR Fixum plus die gleiche Summe als variable Komponente nicht unüblich.

Große Unterschiede in der Vergütung bestehen auch zwischen Venture Capital­ und Buyout­-Fonds, bei denen noch einmal höhere Gehälter mög­lich sind. Grundsätzlich kann man sagen: Je höher der Hierarchie­-Level und später der Investmentfokus der Gesellschaft, umso weiter geht die Bandbreite in der Vergütung auseinander.

VC Magazin: Woran scheitern Verhandlungen zwischen Beteili­gungsgesellschaften und potenziellen Bewerbern eigentlich am häufigsten?

Heiden: Das Thema Gehalt kann man früh abklären, sodass hier normalerweise klare Verhältnisse vorherrschen. Es sind viel­mehr die soften Themen, die zu Friktionen führen. Kritischer Punkt ist die Mobilität, sprich Umzugsbereitschaft. Der Auftrag­geber erwartet hier oft ein klares Commitment, das manch Be­werber aus Rücksicht auf die Familie nicht bereit ist einzugehen.

thomas_heiden2Ein Interview mit Dr. Thomas K. Heiden

Dr. Thomas K. Heiden und die Personalberatung heiden associates unterstützen Startups und gestandene Unternehmen bei der Suche nach hochkarätigen Führungskräften, der Beurteilung der Managementebene und beim Aufbau erfolgreicher Teams.

Wir von heiden associates wollen Sie noch erfolgreicher machen!

Mehr über das Leistungsspektrum von heiden associates